Astronomen aus Kalifornien haben Hinweise für die Existenz eines neunten Planeten gefunden. Doch einen Beweis gibt es bisher nicht.

Dieses Handout von Caltech zeigt eine Illustration von «Planet Nine» und der weit entfernten Sonne. Forscher glauben, einen neuen Planeten in unserem Sonnensystem gefunden zu haben Foto: dpa
Wie soll er heißen, der neue Planet unseres Sonnensystems? Wenn er wirklich da ist, dann liegt er weit draußen, im unheimlichen Dunkel. Niemand hat ihn je gesehen. Man wird ihn vielleicht auch nie zu Gesicht bekommen. Also könnte man ihn – da alle Planeten des Sonnensystems nach römischen Göttern benannt sind – etwa nach dem Gott der Unterwelt benennen: Pluto. Leider ist dieser Name bereits an einen Zwergplaneten vergeben. Aber sein griechisches Pendant nicht. Also wäre Hades vielleicht ein guter Name für ihn.
Seltsame Bahnen
Bisher trägt er allerdings nur einen Arbeitstitel: Planet Neun. Zwei US-Forscher haben seine mögliche Existenz aus Computersimulationen abgeleitet. Die Astronomen Konstantin Batygin und Mike Brown vom California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena untersuchten die Bahnen von Himmelskörpern, die sich im äußersten Bereich des Sonnensystems bewegen, weit außerhalb der Bahn Neptuns, des bislang am weitesten von der Sonne entfernten Planeten. Sie fanden heraus, dass die Umlaufbahnen von sechs Objekten gemeinsame Eigenschaften haben, die sich nicht durch den Zufall erklären lassen. Die Bahnen sind alle stark elliptisch, ähnlich gekippt und treffen an einem Ende zusammen.
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Ihren Berechnungen zufolge müsste es ein echter Planet sein, der auf die Bahnen einwirke. Ihr simulierter Planet Neun ist etwa zehnmal so schwer wie die Erde und umkreist in einem riesigen Abstand die Sonne: etwa zwanzigmal so weit entfernt wie der Planet Neptun. Während die Erde ein Jahr braucht, um die Sonne zu umkreisen und Neptun 165 Jahre, betrüge die Umlaufzeit von Planet Neun den Simulationen der Astronomen zufolge etwa 10.000 bis 20.000 Jahre.

 

Die grundlegenden Erkenntnisse von Batygin und Brown sind allerdings nicht ganz neu. Astronomen rechnen seit längerem damit, dass es große Objekte außerhalb des uns bekannten Planetensystems gibt. Bereits 2011 hatten Forscher anhand der Bahnen von Kometen spekuliert, ob fern der Sonne noch ein Planet existiere. Weitere Arbeiten in diese Richtung folgten. Möglicherweise war während der turbulenten frühen Phase unseres Sonnensystems einer der entstehenden Planeten weit an den Rand geschleudert worden.

 

Batygin und Brown bauten auf diesen Arbeiten auf und entwickelten ein mathematisches Modell für ihre Simulationen. Sie schlussfolgern, dass Planet Neun die beste Erklärung für die seltsam geformten Bahnen der sechs Himmelskörper sei. Die Astronomen sehen sich noch durch eine weitere Entdeckung bestärkt. Aus ihren Simulationen hatte sich nämlich auch ergeben, dass sich unter dem Einfluss eines Planeten Neun bestimmte Objekte senkrecht zur Bahnebene des Sonnensystems bewegen müssten. Tatsächlich seien während ihrer Arbeit fünf solcher Himmelskörper entdeckt worden, sagen die Forscher. Skeptischen Anmerkungen, dass sich in der Vergangenheit die Entdeckung so manches angeblich neuen Planeten nicht bestätigt habe, hält der Astronom Mike Brown entgegen: „Diesmal ist es anders, weil wir richtig liegen.“

 

„Ich hoffe, es gibt diesen Planeten“, sagt auch Lisa Kaltenegger. Die bekannte Astrophysikerin und Planetensucherin weilt gerade auf einem Kongress in Chile. „Es wäre wirklich spannend.“ Allerdings habe man noch keinen Beweis für seine Existenz. „Die Astronomen haben den Planeten nicht gefunden, sondern sie schauten sich die Bewegung einiger entfernter Asteroiden genauer an“, sagt Kaltenegger. Diese Bewegung ließe sich unter anderem durch einen weiteren Planeten erklären. „Bis jetzt handelt es sich rein um eine Simulation mit der Wahrscheinlichkeit von eins zu 15.000“, sagt der Astronom Tim Florian Horn, Leiter des Zeiss-Großplanetariums in Berlin. Es gebe noch andere Erklärungsmöglichkeiten für die Bahnen der Objekte jenseits des Neptun. „In der Entstehung des Sonnensystems sind nicht alle Brocken, Schutt und Staub letztlich zu Planeten geworden“, erklärt er.

 

Hinter der Bahn des Neptun finde sich etwa der Kuipergürtel mit Zehntausenden Brocken verschiedenster Größe. „Der jetzt veröffentlichte Artikel beschreibt, dass die Wissenschaftler sich die Bahnen mehrerer solcher Objekte angesehen haben und es Indizien dafür gibt, dass ein weiterer sehr großer Gesteinsbrocken die Bahnen dieser Objekte beeinflusst.“ Der einzig wirkliche Beweis für einen neuen Planeten wäre aber die Entdeckung mit einem Teleskop. „Schauen Sie auf die Entdeckung des Neptuns in der Berliner Sternwarte“, sagt Tim Florian Horn. Das war 1846. „Damals hatte man auch berechnet, dass es hinter Uranus noch einen Planeten geben muss und hat ihn letztendlich durch systematische Beobachtung entdeckt.“

 

Keine Position am Himmel
Mit neuesten Weltraumteleskopen könnte man den Planeten vielleicht finden, obwohl manche Astronomen dies nahezu ausschließen. Denn ein Himmelskörper reflektiert in dieser Entfernung nur wenig Sonnenlicht. Er ist sehr dunkel und bewegt sich langsam um die Sonne. Außerdem geben die US-Astronomen keine Position am Himmel an, an der man nach dem Planeten suchen müsste.

 

Quelle: Berliner Zeitung

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