Die beißenden Inhaltsstoffe des Meerrettichs (Armoracia rusticana) werden erst bei Verletzung des Pflanzengewebes freigesetzt, also erst dann, wenn die Wurzel gekaut wird. Dann fließen Tränen und es läuft die Nase. Seit dem Mittelalter ist die Schärfe eine beliebte Speisewürze um das Essen verträglich zu machen, denn Meerrettich regt auch Galle und Magen an, im Winter lieferte er wichtiges Vitamin C. Aber der Meerrettich kann weit mehr: Er wirkt gegen Pilze und Bakterien (also auch bei Blasenentzündung) und auch die meisten Insekten meiden ihn. In Süddeutschland wird der Meerrettich wegen der antibiotischen Eigenschaft auch oft stolz „das bayerische Penicillin“ genannt. Ähnlich angesehen ist das japanische Gegenstück zu Meerrettich, der Wasabi. Für Geschmack und Wirkung verantwortlich sind die Senföle. Auf der Haut löst die gute Durchblutung eine Hautrötung aus und wirkt auf die Muskeln entspannend. Verwendet wird Meerrettich frisch gerieben oder als Frischpflanzenpresssaft. Pharmazeutisch aufgearbeitete Präparate gibt es in Form von Filmtabletten, Bronchialtropfen oder Tinkturen.

Meerrettich diente auf Grund seiner Inhaltsstoffe Jahrhunderte lang als Heilpflanze. Er wird unter anderem zur Behandlung von Pilzen und Bakterien eingesetzt
Meerrettich diente auf Grund seiner Inhaltsstoffe Jahrhunderte lang als Heilpflanze. Er wird unter anderem zur Behandlung von Pilzen und Bakterien eingesetzt

Anwendungsgebiete: Wogegen hilft Meerrettich?

Meerrettich: von Natur aus stark-reizend bis antibiotisch

Die Kommission E hat die Wirkung bei Katarrhen der Luftwege und leichten Infekten der Harnwege voll anerkannt. Das reizende Öl aus dem Meerrettich hilft bei leichten Muskelschmerzen und Krämpfen. Auch die träge Verdauung bringt man mit Meerrettichwürze auf Trab, er soll bei Appetitlosigkeit helfen.

Wichtig zu wissen: Der Meerrettich ist reizend, zu viel davon auf der Haut oder im Darm verursachen Probleme. Bei äußerlicher Anwendung sollte der Gehalt an Senfölen 2 % nicht überschreiten, da es sonst mitunter zu starken Hautreizungen kommt. Nur wenn in der Schmerztherapie gezielte Reize gesetzt werden, ist dies erwünscht. Bei Magen- und Darmgeschwüren ist Meerrettich nicht geeignet. In großen Mengen genossen, soll er Erbrechen auslösen. Das isolierte unverdünnte Öl des Meerrettichs ist sogar giftig.

Anwendungen unterteilt nach Wirksamkeit

Gesicherte Wirksamkeit

Für diese Anwendungsgebiete liegen eindeutige klinische Studien vor, um von einer Wirksamkeit auszugehen. Die Wirksamkeit wurde von mindestens einer der maßgeblichen Bewertungskommissionen (Kommission E/ESCOP/HMPC/WHO) verbindlich festgestellt.

  • Katarrhe der Luftwege
  • Infekte der ableitenden Harnwege, Unterstützung der Therapie (mehr lesen im Special)
  • Muskelschmerzen: Förderung der Durchblutung (äußerlich)

Wirksamkeit laut Erfahrung

Es liegen zahlreiche Hinweise aus einer langen Anwendungstradition in der Volksmedizin und in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde vor, die eine Wirksamkeit annehmen lassen. Dennoch sind bisher nicht alle Kriterien erfüllt, die für eine volle Beweiskraft notwendig sind. Falls es klinische Studien gibt, haben die Ergebnisse nicht zweifelsfrei überzeugt.

  • Counterirritans bei Rheuma und Entzündungen
  • Grippe
  • Halsschmerzen
  • Leber- und Gallenwegserkrankungen
  • Verdauungsbeschwerden: Förderung der Verdauung
  • Sportverletzungen, durchblutungsfördernd

Nicht gesicherte Wirksamkeit

Die Hinweise aus traditioneller Anwendung oder Laborversuchen sind zu wenig überzeugend und gehen über einen experimentellen Status nicht hinaus. Es gibt bisher keine korrekten oder positiven klinischen Studien.

  • Krebs, vorbeugend
  • Bauchschmerzen, Krämpfe, spasmolytisch

Links zu den Erkrankungen, bei denen Meerrettich helfen kann

Blase und Nieren:

Hals, Nase, Ohren, Mund und Zähne:

Haut und Haar:

Infektionskrankheiten:

Magen, Darm und Speiseröhre:

Muskeln, Knochen und Gelenke:

 

Wie wirkt Meerrettich?

Antibiotische Wirkung

Der scharfe Geschmack und die reizende Wirkung des Meerrettichs auf die Schleimhäute gehen auf den Gehalt an Senfölen zurück. Diese flüchtigen Substanzen werden durch Enzyme aus Glucosinolaten (hauptsächlich Sinigrin) gebildet. Die Glucosinolate und dasEnzym Myrosinase sind zunächst in getrennten Zellen gespeichert. Werden die Zellen aufgebrochen, wie durch Insektenfraß oder bei Verarbeitung der Wurzel, mischen sich die Glucosinolate mit dem Enzym und es werden Senföle gebildet (vor allem Allylisothiocyanat). Sie schützen den Meerrettich vor Fraßfeinden und lösen auch beim Menschen starken Tränenfluss aus. Der scharfe Geschmack der Senföle regt die Verdauung an und steigert die Durchblutung der Schleimhäute.

Die Senföle sind fettlöslich und werden gut vom Körper aufgenommen. Sie sind sehr reaktiv und können an Proteine binden (kovalente Bindungen). Auf diese Weise wird die Aktivität der Enzyme von angreifenden Bakterien gehemmt. Die Senföle sind daher für die antibiotische Wirkung von Meerrettich mitverantwortlich.

Außer den Senfölen haben auch die Flavonoide (Flavon, Quercetin) antibiotische Wirkung. Diese Inhaltsstoffe wirken gegen grampositive und gramnegative Erreger sowie verschiedene Pilze. Man konnte zeigen, dass die antibiotisch wirksamen Substanzen auch in den menschlichen Organismus aufgenommen werden können: Nach dem Verzehr von 10-25 g Wurzel waren in 1-3 Stunden Substanzen im Harn nachweisbar, die das Wachstum des Bodenbakteriums Bacillus subtilis, des Darmbakteriums Escherichia coli und den Eitererreger Staphylococcus aureus hemmten.

Antioxidative Wirkung

Senföle und Flavonoide (Flavon, Quercetin) haben außerdem einen antioxidativen Effekt: Sie können nicht nur Radikale abfangen, sondern auch hochreaktive Verbindungen, wie sie bei Bestrahlung durch UV entstehen, in unschädliche Verbindungen überführen. Meerrettich wirkt daher einer Veränderung der Erbsubstanz DNA entgegen (anti-mutagen).

Wirkung gegen Krebs

Glucosinulate und deren Abbauverbindungen, die Isothiocyanate und Thiocyanate, wirkten im Tierversuch gegen Speiseröhren-, Magen-, Brust-, Leber- und Lungenkrebs. Ausschlaggebend für die Wirksamkeit ist neben der jeweiligen Substanz der Zeitpunkt der Verabreichung. Nur wenn das Isothiocyanat oder Thiocyanat vor der krebsauslösenden Substanz gegeben wurde, konnte eine Hemmung der Krebsentstehung beobachtet werden. Senföle lösen den “programmierten Zelltod”  (Apoptose) aus und bewirken so das Absterben von Tumorzellen.

Entkrampfende Wirkung

Wurzelextrakte des Meerrettichs zeigten im Tierversuch eine direkte entkrampfende (spasmolytische) Wirksamkeit an der glatten Muskulatur (z.B. im Magendarmtrakte, den Gefäßen und Bronchien).

Wirkung bei Rheuma und Entzündungen

Meerrettich wird als Counterirritans bei Rheuma und Entzündungen eingesetzt. Das bedeutend, dass man durch die reizende Wirkung einen Gegenreiz zu den vorhandenen Schmerzen setzt. Das kann ähnlich wie die Akupunktur zu Schmerzlinderung und Reduktion der lokalen Entzündung führen.

Aussehen und Herkunft

Der Meerrettich (Armoracia rusticana) gehört zur botanischen Familie der Kreuzblütler (bot.: Brassicaceae) und ist eine ausdauernde Pflanze mit einer zylinderförmig verdickten Speicherwurzel. Sie wird zur Herstellung von Arzneimitteln oder als Gewürz verwendet. Der mehrkantige Stängel ist im oberen Teil ästig verzweigt. Die Blätter sind glatt, ungleich gekerbt, am Grunde herzförmig und 30 bis 100 cm lang. Die wohlriechenden, kleinen und weißen Blüten sitzen in traubenförmigen Blütenständen.

Die Heimat des Meerrettichs liegt in Ost- und Südeuropa. Heutzutage wird er in ganz Europa, Asien und Nordamerika angebaut. Japanischer Meerrettich (Wasabi) ist im Aroma vom europäischen Meerrettich kaum zu unterscheiden, jedoch hat er keine weiße, sondern eine grüne Farbe und ist im Geschmack etwas stärker.

Meerrettich ist schon seit der Antike bekannt. In Deutschland wird er erst seit dem Mittelalter angebaut. Gestampft und mit etwas Essig verrührt wird er zu Saucen verarbeitet und zu den verschiedensten Gerichten gereicht. Zu Zeiten, in denen man noch keinen Pfeffer kannte, waren Meerrettich und Senf die einzigen scharfen Gewürze der deutschen Küche und wurden entsprechend häufig verwendet.

Meerrettich: Darreichungsform & Dosierung

Darreichungsform

Meerrettich wird frisch gerieben, getrocknet oder als Frischpflanzensaft verwendet. Im Handel erhältlich sind Kombinationspräparate, Anti-Infekt-Filmtabletten, Bronchialtropfen, Tinkturen, Pflanzendestillate zur Behandlung von Muskelschmerzen und Bleichlösungen zur Behandlung von Pigmentanomalien (unterschiedliche Hautfärbung) und Altersflecken.

Soweit nicht anders verordnet, wird eine mittlere Tagesdosis von 20g Wurzel empfohlen. Generell können frische oder getrocknete zerkleinerte Wurzeln, Frischpflanzenpresssaft sowie andere Zubereitungen verwendet werden.

Verbreitet ist die Verwendung von Meerrettich zum Würzen von Saucen, Fleisch- und Fischgerichten. Da die Senföle leicht flüchtig sind, sollte Meerrettich den abgekühlten Speisen erst kurz vor dem Servieren zugesetzt werden. Getrockneter Meerrettich muss vor Verwendung in lauwarmem Wasser eingeweicht werden, damit sich die Senföle bilden können.

Das tränenreizende Allylisothiocyanat ist nicht hitzebeständig und löst sich mit der Zeit in wässrigen Lösungen. Zitronensaft kann diesen Vorgang verlangsamen.

Dosierung

Alte Hausrezepte:

  • Bei Verstopfung nimmt man 1/2 TL geriebenen Meerrettich in warmer Milch ein.
  • Bei Blasenentzündung und Husten die frische Wurzel fein reiben und mit der gleichen Menge Honig versetzen (man kann auch Zucker verwenden). Davon nimmt man 3 x täglich einen Teelöffel.
  • Bei leichten Muskelschmerzen werden Meerrettich-Umschläge empfohlen: Leintuch auf die schmerzende Stelle legen und den frisch geriebenem Meerrettich darauf ausbreiten. Die Auflage abdecken. Nicht länger als 5 – 10 Min einwirken lassen. Der Brei soll dabei keinen Hautkontakt haben, da Hautrötungen auftreten können.

Meerrettichwurzeln kann man im Kühlschrank bis zu einem Jahr aufbewahren. Allerdings sollte dafür sorgen sein, dass die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist und die Temperatur um 0-1°C liegt. Alternativ kann man die Wurzeln in feuchtem Sand im Keller lagern.

Produkte aus Meerrettich sollten immer frisch sein und erst kurz vor Verwendung zubereitet werden. Auch Tinkturen sind häufig nicht lange haltbar. Bitte beachten Sie die Angaben des Herstellers.

Meerrettich: Gewinnung und Wirkstoffe

Gewinnung

Die winterharten Wurzeln (Meerrettichstangen) werden 30 bis 40 cm lang (manchmal auch bis zu 60 cm) und vier bis sechs cm dick. Die Wurzeln sind von Ende September bis April frisch im Handel erhältlich. Meerrettichstangen sollen gerade gewachsen sein und weißes Fleisch haben. Graue Streifen sind unerwünscht. Die Wurzel darf maximal eine Verzweigung haben und muss mindestens 180 Gramm wiegen. Je älter die Wurzel wird, desto stärker ist sie im Inneren verholzt.

Aus der geriebenen Wurzel wird mit heißem Wasser ein Extrakt hergestellt. Alternativ kann der Presssaft der frischen Wurzel verwendet werden. Auch Verarbeitungen zu Sirup sind beschrieben.

Wirkstoffe

  • Vitamin C, Vitaminen B1, B2, Niacin
  • Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Phosphor
  • ätherische Öle
  • Flavonoide (Flavon, Quercetin)
  • Glucosinolate: Sinigrin, Glucobrassicin, Geoglucobrassicin und Gluconasturtiin daraus entstehen Senföle (Alkylisothiocyanate)
  • Enzyme: Myrosinase (beta-Thioglucoside Glucohydrolase, das Enzym welches für die Umsetzung der Glucosinolate in Senföle verantwortlich ist). Peroxidase (Dieses Enzymfängt H2O2 aus dem Stoffwechsel ab und wandelt es in unschädliches Wasser um. Das Gewebe wird dadurch vor oxidativem Stress geschützt).

Meerrettich: Nebenwirkungen

Wechselwirkungen

Bestimmte Abbauprodukte der Glucosinolate können beim Menschen die Bildung eines Kropfes begünstigen. Denn diese Substanzen konkurrieren mit Jod um eine Aufnahme in die Schilddrüse. Außerdem wurde eine Hemmung der Thyroxinbildung in der Schilddrüse beschrieben. Thyroxin ist das wichtigste Hormon der Schilddrüse und lebensnotwendig.

Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass die Hormontherapie einer Schilddrüsenunterfunktion beeinträchtigt wird bzw. sich eine leichte vorhandene Schilddrüsenunterfunktion verstärkt.

Meerrettich: Quellen

Literatur

  1. Ankri, S. et al., Microbes Infect. 1999, 1 (2), 125-9 (Medline-abstract)
  2. Cutler R.R. and Wilson P., Br J Biomed Sci. 2004, 61 (2), 71-4 (Medline-abstract)
  3. Elkayam, A. et al., Am J Hypertens.2003, 16 (12), 1053-6 (Medline-abstract)
  4. Geetha, T. et al., Indian J Exp Biol.2005, 43 (1), 61-7 (Medline-abstract)
  5. Hayashi, K. et al., Biofactors. 2000, 13 (1-4), 271 (Medline-abstract)
  6. Hirsch, K. et al., Nutr Cancer. 2000, 38 (2), 245-54 (Medline-abstract)
  7. Hirsch, K. et al., Nutr Cancer. 2000, 38 (2), 245-54 (Medline-abstract)
  8. http://universum.blueblog.ch/gesundheit/index.html Stand: Februar 200

Quelle: Gesundheitsmanufaktur / Phytodoc

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