21.6.2016 – Knast für Hebamme? – Dagmar unterhält sich mit der Geburtshelferin Anna Rockel-Loenhoff, die unter ihren Berufskolleginnen als Koryphäe gilt, und die nach einem bei einer Hausgeburt gestorbenen Kind zu sechseinhalb Jahren Haft, 50.000€ Geldstrafe und lebenslangem Berufsverbot verurteilt wurde. Begründung: wer auch bei ungewöhnlichen Kindslagen für natürliche Hausgeburten plädiert, nimmt den Tod des Kindes „billigend in Kauf“.

Online Video: [1:10:10]
Quelle Bewusst.TV: http://bewusst.tv/knast-fuer-hebamme/

Weiterführendes:
Anna Rockel-Loenhoff, verurteilte Geburtshelferin
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Hebammen stehen rechtlich, finanziell und administrativ unter immer grösserem Druck. Die Geburt als natürlicher Vorgang wird mehr denn je in ein medizinisches Korsett gezwängt – mit negativen Folgen für die Gesundheit.Viele freischaffende Hebammen bieten heute keine Geburtshilfe mehr an, sondern haben sich auf Schwangerschaftsberatung und Wochenbettbetreuung spezialisiert. Doch an der hochqualifizierten Rockel-Loenhoff sollte offensichtlich ein Exempel statuiert werden: gegen selbstbewusste Geburtshelferinnen und deren tiefes Wissen um die Geburt, das sich an Rhythmen und Gezeiten des weiblichen Körpers orientiert und nicht dem Verlauf des Wehenschreibers entspricht.

Sie war Lehrhebamme an der Duisburger Hebammenschule, Autorin diverser Fachartikel, ist Mutter von drei Kindern und hat in ihrer 30-jährigen Tätigkeit über 2000 Hausgeburten, darunter 120 mit Steisslagen, ohne Zwischenfälle betreut. Anna Rockel-Loenhoff galt als Spezialistin dafür, Beckenendlagen mit einer normalen Geburt zu entbinden. Dieses einst gängige geburtshilfliche Handwerk wird heutzutage kaum mehr angewandt; Hebammen und Ärzte scheuen das Risiko. Das war auch der Grund, warum die Eltern des Babys Greta extra aus Lettland anreisten: Sie wünschten sich für ihr Kind trotz Beckenendlage eine natürliche, selbstbestimmte Geburt. Dass das Neugeborene leblos zur Welt kam, ist tragisch für die Eltern und der Albtraum jeder Geburtshelferin. Hätte sich dieselbe Geburt in einem Spital zugetragen, wäre der Fall allerdings einiges milder beurteilt worden.

Vier Jahre später wurde gegen Rockel-Loenhoff Anklage erhoben, und zwar skandalöserweise nicht etwa wegen fahrlässiger Tötung oder unterbliebener Hilfeleistung, sondern wegen Totschlags: «Sie trägt für den Tod die alleinige Verantwortung. Sie ist des Totschlags schuldig, weil sie als Beteiligte samt all ihres Fachwissens unbeteiligt geblieben ist ». Sie habe also nicht fahrlässig gehandelt, sondern den Tod des Kindes «billigend in Kauf genommen», so der Richter. Dass bei Komplikationen die ärztliche Notfallmedizin beigezogen und Hand in Hand mit der Geburtshilfe die Frau unterstützen sollte, versteht sich für jede Hebamme von selbst. Dass man sich aber heute fast rechtfertigen muss, wenn man sich eine natürliche Geburt wünscht, bleibt vielen freischaffenden Hebammen unverständlich.

Eine Geburt ist ein so vielschichtiger Prozess, dass jede Intervention das Geschehen verändert, denn der ganze Prozess ist stark hormonell gesteuert. Wenn man diesen Prozess stört, gibt es Kaskadeneffekte. Eine Rückenmarksanästhesie beispielsweise stoppt die Ausschüttung von körpereigenem Oxytocin und Endorphin, welche die Wehen auslösen und Schmerzen mindern. Die Geburt kommt ins Stocken und es müssen Wehenmittel verabreicht werden. Wird die Geburt künstlich eingeleitet, sind die Wehen oft sehr schmerzhaft, weil keine körpereigenen schmerzlindernden Endorphine ausgeschüttet werden; also braucht es wiederum Schmerzmittel. All das könnte man in vielen Fällen verhindern, indem man den Frauen Ruhe, Schutz und Unterstützung bietet – das Kernhandwerk des Hebammenberufes.

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