In dieser Woche gibt es keine Sendung über das sowjetische Speziallager Nr. 2 Buchenwald. Keine sadistischen Wärter in Uniformen der Roten Armee sind zu sehen, keine Folterszenen, keine Hinrichtungen. Von den – offiziell – 28.000 Gefangenen kommt keiner ins Bild, die 7000 Toten sind kein Thema. Trotzdem wird ein Film über Buchenwald ausgestrahlt, bei dem sicher gestellt ist, dass Altkommunisten sich nicht ärgern müssen. Die braucht man vielleicht noch mal für die Regierungsbildung.

„Ich war Hitlers Bodyguard“ verkündet ein Schauspieler montags ab 0.30 Uhr bei RTL. Er verkörpert einen gewissen Manfred Pichota, wer immer das auch gewesen sein mag. Manche Leute sind 16 Jahre Bundeskanzler und 14 Tage später vergessen. Bei Hitler reichten 12 Jahre für die Ewigkeit, wie Phoenix ab 20.15 Uhr mit einer weiteren Ausstrahlung der „Jahreschronik des Dritten Reiches“ beweist. N 24 steuert ab 22.05 Uhr die „Ufos im Dritten Reich“ bei, die im heutigen Geschichtsunterricht ein bisschen stiefmütterlich behandelt werden. Wieder da bei Spiegel Geschichte ist ab 23.15 Uhr „Klaus Barbie“, ein Mann, der im Dienste der CIA die Freie Welt unterstützte. Seine Vergangenheit störte die Amerikaner nicht besonders. Da war er nach 1945 nicht der Einzige.

braunbärenDas ZDF sucht auch in dieser Woche am Dienstag ab 20.15 Uhr nach „Hitlers Volk“. Außerdem sucht der Sender noch verzweifelt Zuschauer unter 60 Jahren. Mit solchen Beiträgen wird das nichts. “Den Bombenkrieg über Österreich“ präsentiert ab 22.00 Uhr ARD-alpha, „Hitlers Raketenbunker“ und „Stalingrad“ peppen ab 22.15 Uhr das Programm bei N-TV auf, und „Adolf Hitler –Wahn und Wahnsinn“ geistert ab 20.05 Uhr bei N 24 durch den Äther, gefolgt von „Geheimprojekten im Dritten Reich“. Wer schaltet eigentlich Werbespots in solchen Sendungen? ZDF INFO bläst zum Großangriff mit „dem Tagebuch der Anne Frank“ ab 13.30 Uhr. Außerdem noch im Angebot: „Countdown zum Untergang“ und „Als der Krieg nach Deutschland kam“.

Am Mittwoch ist es so weit. Nach jeder Menge marktschreierischer Werbung bringt das ZDF ab 20.15 Uhr die Neuverfilmung des Buchenwald-Romans „Nackt unter Wölfen“. Die Altverfilmung hatte damals die DDR besorgt und allerlei kommunistische Legenden in die historische Wahrheit gemixt. Jetzt gibt es letztere endlich pur, und strafbewehrt. Dem Film folgt eine Dokumentation, und dieser eine Wiederholung des Spielfilms „die Flucht“. Sky Cinema hat ab 20.15 Uhr ebenfalls eine gefälligst betroffen machende Geschichte aus dem Dritten Reich auf Lager, „die Bücherdiebin“.

„Adolf Hitler –Wahn und Wahnsinn“ fasziniert N 24 so sehr, dass sie ihm am Donnerstag ab 15.15 Uhr noch mal einen Sendeplatz spendiert haben. Die Brücke von Remagen kann man sich im Anschluß ansehen. Spiegel Geschichte veranstaltet ab 20.15 Uhr den „Countdown zum Untergang“. Gemeint ist das Dritte Reich. Aber der Spiegel stand auch schon mal besser da. Alles geht unter, irgendwann. Wo heute ein Spiegel ist, sind morgen vielleicht nur noch ein paar Scherben.

Jawoll, da ist er wieder! „Hitler-Aufstieg des Bösen“, diesmal am Freitag bei RTL 2 ab 20.15 Uhr. Geschichtsunterricht auf Hollywood-Art. Da haben die Werbeunterbrechungen noch mehr Niveau. Der WDR schickt derweil ab 21.45 Uhr die 6.Armee nach Stalingrad.

Kriegsgetümmel am Samstag bei N 24. Vom „Ende der Graf Spee“ ab 20.05 Uhr weiter zu Tobruk, El Alamein und Stalingrad. Bloß keine Langeweile aufkommen lassen! Eins Festival wiederholt jetzt schon ab 20.15 Uhr „Nackt unter Wölfen“ und legt nach mit „Duell – Enemy at the Gates“, einem Stalingard-Film, sowie dem Betroffenheitswerk „Wunderkinder“. Bei ZDF INFO gibt es ab 1.30 Uhr „die Wahrheit über den Holocaust“. Passend zu Ostern: Spiegel Geschichte mit „Der Vatikan und das Dritte Reich“ ab 6.15 Uhr.

Was wäre ein Feiertag ohne „Schindlers Liste“! Sagte sich der Fachsender für ernsthafte Geschichtswissenschaft, RTL 2, und knallte Spielbergs Oskarfänger am Ostersonntag ab 20.15 Uhr ins Programm. Gleichzeitig jagt Cary Grant bei 3 Sat in dem Streifen „Berüchtigt“ Nazi-Spione. ZDF INFO sorgt ab 13.30 Uhr mit „der Wahrheit über den Holocaust“, „den letzten Zeuginnen –Überleben in Auschwitz“, „Bomben auf Auschwitz“, „den zwei Gesichtern von Auschwitz“ sowie „Treblinka“ für einen bunten und vielfältigen BRD-Nachmittag.

Quelle: Freies Pommern

 

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