Armin Risi

Angesichts der Sintflut von akuten Problemen (Umweltzerstörung, Kriegslügen, Korruption, militärische Gewalt, religiöser Fanatismus usw.) stellt sich die Frage: Haben wir Menschen überhaupt noch eine Chance, aus eigener Vernunft heraus das Schlimmste zu verhindern? Oder brauchen wir göttliche Hilfe? 2015 sind es genau 50 Jahre, seit eine spektakuläre Serie von Prophezeiungen die Menschheit erreichte und eine solche Hilfe (»Gnade«) in Aussicht stellte. Jahreszahlen wurden nicht genannt, aber globalpolitische Erkennungszeichen: »Russland« und neue Kriegsgefahr in Europa!

San Sebastián de Garabandal (kurz: Garabandal) ist ein kleines Bergdorf im kantabrischen Gebirge im Nordwesten Spaniens. Vom 18. Juni 1961 bis 13. November 1965 kam es dort zur intensivsten und längsten Serie von paranormalen Ereignissen des 20. Jahrhunderts. Während dieser Zeitspanne von rund 1600 Tagen erlebten vier Mädchen über 2000 Erscheinungen von Mutter Maria, vereinzelt auch von Erzengel Michael. Die Erscheinungen kulminierten in konkreten Prophezeiungen für die damals noch Jahrzehnte entfernte Zukunft. Ebenso sprachen die Erscheinungen eine harsche Kritik an der katholischen Kirche aus und riefen die Menschen zu einer großen Umkehr auf, nicht nur im Katholizismus, sondern weltweit.

 

Vorbemerkung

Die folgenden Ausführungen stützen sich hauptsächlich auf des Buch Garabandal) des katholischen Autors Albrecht Weber (2., erweiterte Auflage, Meersburg 2000). Albrecht Weber war ab 1964 selbst Zeuge der Erscheinungen in Garabandal.

Ich las dieses Buch vor etwa 14 Jahren, aber die extreme dogmatische Verabsolutierung des Katholischen und die Verteufelung aller anderen Religionen durch den Autor wirkten auf mich sehr abstoßend. Die Reinkarnation wird als eine »von Satan erfundene« Lehre dargestellt. Und: »Es ist absolut falsch, dass wir Sünde und Schuld in einem späteren Leben irgendwann ungeschehen und gutmachen können.« (S. 190) Was mir jedoch in bleibender Erinnerung blieb, waren die Geschehnisse selbst und insbesondere die vier Mädchen mit ihrer überirdischen Ausstrahlung und verklärten Schönheit, als sie in Trance Maria und die Lichtwesen sahen. Ende letztes Jahres fühlte ich den Impuls, das Garabandal-Buch erneut zu lesen. So kam es, dass ich die schockierenden, da nunmehr sehr aktuellen Hinweise auf den Zeitpunkt der prophezeiten Ereignisse entdeckte, die mir bei der ersten Lektüre anscheinend nicht besonders aufgefallen waren.

 

Das paranormale Geschehen

Zu Beginn der Erscheinungen waren die vier Mädchen alle rund zwölf Jahre alt. In der späteren Phase sah nur noch eines der vier Mädchen (Conchita Gonzalez) die Erscheinungen. Hunderte bis Tausende von Menschen waren bei diesen Ereignissen Zeugen und sahen, dass hier eindeutig Paranormales und Übersinnliches geschah. Die Mädchen waren in Trance unverletzbar.

Zum Beispiel stachen »Inquisitoren« die Mädchen einmal mit Nadeln mehrere Zentimeter tief, aber die Mädchen reagierten in keiner Weise und fühlten auch keinen Schmerz. Wenn sie in Winternächten nur mit leichten Kleidern nach draußen rannten, behielten sie in der Trance die volle Körperwärme und froren nicht. Bei Hagel schlugen ihnen die Hagelkörner in die offenen Augen, ohne dass sie Verletzungen erlitten oder auch nur mit den Wimpern zuckten.

Manchmal fielen sie in Trance wie Baumstämme zu Boden und schlugen mit dem Kopf auf den Steinen auf, aber ohne die geringste Verletzung. Wenn Erwachsene die Mädchen aufrichten wollten, zeigte sich, dass diese wie fixiert oder tonnenschwer waren, sodass sie nicht oder nur für wenige Zentimeter bewegt werden konnten. Manchmal rannten die vier Mädchen mit eingehakten Armen zu viert ins Dorf hinein oder zum Dorf hinaus (der Haupterscheinungsort war eine Baumgruppe oberhalb des Dorfes).

Einer der Wege führte über den Dorfbach, wobei dieser Steg so schmal war, dass darauf nur zwei Mädchen nebeneinander Platz hatten. Als sie zu viert eingehakt über diesen Steg rannten, gingen zwei einfach durch die Luft. Mindestens einmal ist bezeugt, dass eines der Mädchen (Jacinta) für etwa eine Stunde physisch verschwand, d.h. de- und rematerialisiert wurde (Weber, S. 187). Zahlreiche Zeugnisse sprechen von Heilungen vor Ort oder späteren Heilungen durch die von Maria gesegneten Gegenstände.

Es kam auch vor, dass ein Mädchen sich nach hinten beugte und von den Knien an im rechten Winkel parallel zum Boden schwebte, was von der Gravitation her eine unmögliche Körperhaltung ist, aber nicht einmal die Kleider folgten der Schwerkraft. Hinterher erklärten die Mädchen, dass sie sich so bewegten, weil Zweifler in der Menge waren oder Gläubige, die wissen wollten, ob die Erscheinungen echt sind.

Wann immer sich eine Erscheinung ankündigte, fühlten die Mädchen ein inneres telepathisches Signal, das sie zu einem bestimmten Ort rief, weshalb sie immer zur gleichen Tages- oder Nachtzeit am selben Ort ankamen. Die Erscheinungen dauerten manchmal bis zu mehreren Stunden.

 

Das historische Geschehen

Die ersten Erscheinungen eines Lichtwesens erfolgten am 18., 20., 21., 22., 24., 25., 27., 28. Juni und 1. Juli 1961. Bei der neunten Erscheinung offenbarte sich das Lichtwesen als Erzengel Michael und kündigte für den folgenden Tag (Sonntag, 2. Juli) das Erscheinen von Mutter Maria an. An diesem Sonntag erschien Maria flankiert von Erzengel Michael auf der einen Seite und einem ähnlich aussehenden Engel auf der anderen. Die Kinder sprachen furchtlos und voller Freude mit der Erscheinung. Die Umstehenden hörten die Worte der Mädchen, aber nicht die Antworten.

Schon bei dieser ersten Erscheinung kündigte Maria Botschaften an, und die Kinder erkannten die Wichtigkeit dieser Botschaften. Die Botschaften waren der eigentliche Grund der Erscheinungen.

Am 18. Juni 1965, am fünften Jahrestag der ersten Erscheinung, waren rund 2000 Menschen im kleinen Bergdorf anwesend, auch mehrere Fernsehteams, darunter eines aus Italien auf Veranlassung des bekannten stigmatisierten Pater Pio. Die Seherin Conchita schrieb nach der Trance die Botschaft auf, und das mehrere Male, wobei die Reihenfolge der Sätze unterschiedlich war, weshalb von dieser zentralen Botschaft unterschiedliche Fassungen existieren (Weber, S. 108). Inhaltlich ist die Aussage jedoch immer die gleiche:

»[…] Ich, eure Mutter, möchte euch durch die Vermittlung des Engels Sankt Michael sagen, dass ihr euch bessern sollt. Ich liebe euch sehr und will eure Verdammung nicht. Wir werden euch gewähren, worum ihr aufrichtig bittet. Ihr müsst euch mehr opfern [hingeben, heiligen]. Denkt an das Leiden Jesu. Die Priester, Bischöfe und Kardinäle gehen in großer Zahl den Weg des Verderbens.«

Die Garabandal-Erscheinungen sind bis heute von der katholischen Kirche nicht als authentisch anerkannt. Dass eine Anerkennung ausbleibt, ist nicht erstaunlich angesichts der obigen Aussage Marias: »Die Priester, Bischöfe und Kardinäle gehen in großer Zahl den Weg des Verderbens.«

 

Wer erschien in Garabandal?

Bereits während der Zeit der Erscheinungen war der örtlich zuständige Bischof ablehnend und entsandte Prüfer, die den Auftrag hatten, eine negative Einschätzung zu geben. Als die Erscheinungen aufhörten, hatten die vier nunmehr jungen Frauen einen schweren Stand, weil sie keine handfesten Beweise für ihre Erlebnisse vorzuweisen hatten. Sie mussten auf viele intellektuelle Fangfragen antworten, die etwas betrafen, was sie als Kinder – angefangen im Alter von zwölf Jahren – in Trance(!) erlebt hatten. Auf der einen Seite die Ablehnung durch den Bischof und andere kritische Stimmen, auf der anderen Seite die Neugierde und Ungeduld der Gläubigen. Der Druck von außen war so groß, dass 1967 eine der Seherinnen, Mari-Cruz, ihre Aussagen und Erlebnisse widerrief. Später zog sie diesen Widerruf wieder zurück.

Gemäß dem katholischen Glauben war es naheliegend, dass der weitere Lebensweg der vier Mädchen ins Kloster führte, so wie auch die zwei Sehermädchen von Fatima (1917) Nonnen wurden. Doch Marias Botschaften hatten deutlich gemacht, dass dies nicht erforderlich war. Alle vier Mädchen heirateten und führten ein Familienleben, wohl wissend, dass die angekündigten Ereignisse nicht »sehr bald« eintreffen würden. Drei der vier Frauen wanderten in die USA aus.

 

Die Warnung

Die Garabandal-Botschaften enthielten eine klare Prophezeiung: Zuerst komme eine Ankündigung oder Warnung (el aviso), dann das Wunder (el milagro) mit einem bleibenden Zeichen, wobei das Wunder nicht näher beschrieben wurde. Das Wunder geschehe im Verlauf von zwölf Monaten nach dem »aviso«. Danach folgt irgendwann – wenn die Menschen diese letzten Zeichen und Warnungen ignorieren – das Strafgericht (el castigo).

 

Von besonderer Bedeutung ist offensichtlich das erste Ereignis, die Warnung, denn die Art und Weise, wie die Menschen darauf reagieren, wird entscheiden, wie die folgenden Ereignisse ausfallen:

»Die Warnung wird beschrieben als eine momentane Aufhebung der Zeit auf der ganzen Welt, währenddessen alle Menschen den Zustand ihrer Seele sehen werden und auch, wie sie ihre Lebenswege bessern sollten.« (engl. Wikipedia: Garabandal_apparitions)

 

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Das Folgende sind Beschreibungen der Warnung in den Worten von drei der vier Garabandal-Mädchen – Conchita, Maria Dolores (»Mari Loli«) und Jacinta:

»Es wird nur von ganz kurzer Dauer sein. Die Warnung ist etwas, das direkt von GOTT kommt. Alle Menschen auf der Erde werden sie sehen können, egal wo immer sie sich befinden. Es wird eine Offenbarung unserer Sünden sein – im Innern eines jeden Einzelnen von uns. Gläubige wie Ungläubige aller Erdteile werden sie sehen und spüren. …«

»Wir werden sie [die Warnung] in uns selbst fühlen, und es wird absolut klar sein, dass sie von Gott kommt. Wir werden den Schmerz fühlen, den wir Gott [der Erde, den anderen Menschen, der Natur] mit unseren Sünden zufügen.«

»Die Warnung wird für das Wohl unserer Seelen sein, damit wir in uns selbst unser Gewissen sehen – das Gute und das Böse, das wir getan haben. Dann werden wir eine große Liebe fühlen zu unseren himmlischen Eltern und für alle unsere Vergehen um Vergebung bitten.«

 

Zeit-Stopp und Konfrontation mit dem eigenen Leben

Das Ereignis der Warnung kann wie folgt beschrieben werden: Die kosmischen Lichtwesen (Schöpferwesen, hebr. Elohim) werden an einem bestimmten Zeitpunkt die Zeit für alle Menschen anhalten.

Etwas salopp gesagt: Sie drücken die Pausentaste, und in dieser »Zeit« außerhalb der Zeit werden alle Menschen – auch die Politiker, Militärleute und Bankenchefs – ihren Lebensfilm sehen. (Der Lebensfilm ist die innere Konfrontation mit den eigenen Taten mitsamt aller direkten und indirekten Folgen dieser Taten.) Normalerweise sieht man den Lebensfilm erst nach dem Tod, doch zu diesem prophezeiten Zeitpunkt werden die Menschen ihren »Film« zu erleben bekommen, ohne dass sie zuerst sterben müssen – als Gnade in Form einer Warnung oder Abmahnung.

Das Szenario, dass die Zeit angehalten wird und dass außerhalb der Zeit die Welt verändert wird, ist uns allen bekannt durch das Buch Momo von Michael Ende (1973). Darin beschreibt er, dass es eine »Zeitsparkasse« gibt, die ihre grauen Herren ausschickt, um alle Menschen unter ihre Macht zu bringen. Wenn die Menschen von den grauen Herren infiziert werden, nehmen sie deren Gedanken auf und meinen, dies seien ihre eigenen Gedanken. Momo gerät durch eine höhere Fügung in die Lage, dass sie »außerhalb der Zeit« die Macht der grauen Herren auflösen kann.

 

Die entscheidende Zeit nach der Warnung

Nach der kollektiven globalen Warnung geht das Leben in der linearen Zeit weiter, wie wenn nichts geschehen wäre – nur dass alle Menschen durch ihre innere Seelenschau tief erschüttert sein werden. Auf diese Weise wird der freie Wille aller Menschen respektiert. So stellt sich die entscheidende Frage: Werden die Menschen diese Chance wahrnehmen und die entsprechenden Konsequenzen daraus ziehen?

Die Prophezeiung impliziert, dass trotz der Warnung und des Wunders das Strafgericht folgen wird, weil viele Menschen die Warnung ignorieren, verdrängen, verspotten oder wegrationalisieren. Dies erinnert an die Johannes-Offenbarung, Kap. 16, wo bei der Beschreibung der sieben Zornesschalen dreimal festgehalten wird: »Und die Menschen verfluchten den Namen Gottes wegen dieser Katastrophen, aber sie änderten sich nicht und wollten sich nicht Gott unterwerfen.«

Die Johannes-Offenbarung enthält Prophezeiungen aus dem 1. Jh. n. Chr. Heute sind 2000 Jahre seit damals vergangen, und 50 Jahre seit Garabandal.

Gerade in den letzten 50 Jahren hat sich viel auch zum Positiven verändert: Lügen kommen ans Licht, fundamentalistische Spaltungen werden überwunden, immer mehr Menschen sehnen sich nach echter Spiritualität und beginnen, entsprechend zu leben, und erkennen ihre spirituelle Berufung.

Das Strafgericht ist nicht der göttliche Wille. Das Gebet »Dein Wille geschehe« bedeutet nicht eine Beschwörung der Apokalypse. Nur Fundamentalisten meinen, zuerst

müsse alles Prophezeite eintreffen, bevor der große Wandel und der Friede kommen könne. Aber:

»›Gott will nicht, dass dies so schnell kommt‹, ist zu Conchita gesagt worden, denn Gott will nicht die Vernichtung der Menschen. Er will deren Bekehrung.« (Weber, S. 225)

Je mehr die Menschen zu einem ganzheitlichen Gottesbewusstsein erwachen, desto mehr geht diese heilende Information in das kollektive Bewusstsein ein – und wir dürfen hoffen, dass nach der Warnung auch die großen Manipulatoren die Kraft finden, aus der Konfrontation mit dem eigenen Lebensfilm die richtigen Konsequenzen zu ziehen, bildlich gesprochen: von der Dunkelheit ins Licht zu gehen.

 

Wann kommt die Warnung?

»›Wenn der Kommunismus wiederkommt, wird das alles kommen‹, sagte Conchita 1965 dem Autor [A. Weber], worauf dieser sie fragte: ›Was heißt ›wiederkommt‹?‹ ›Ja, wenn er auf’s Neue wiederkommt‹, antwortete sie. ›Heißt das, dass der Kommunismus vorher vergehen wird?‹ ›Ich weiß es nicht. ›Wenn der Kommunismus wiederkommt‹, sagte die Heilige Jungfrau‹ … .« (Weber S. 130)

1983 sagte eine der anderen Seherinnen, Mari Loli, in einem Interview:

»›Ja, es wird in dem Augenblick sein, wenn die Welt die Ankündigung am notwendigsten braucht.‹ Darauf die Frage: ›Wann ist das?‹ ›Es ist dann, wenn Russland einen großen Teil der freien Welt unvorhergesehen und plötzlich überfallen und überfluten wird … .‹« (Weber, S. 131)

In einem anderen Interview (1978) sagte Mari Loli:

»Die Madonna sprach mehrere Male über den Kommunismus. Ich kann mich nicht erinnern wie oft, aber sie sagte, dass eine Zeit kommen werde, in der es aussieht, als ob der Kommunismus die ganze Welt überwältigen und überfluten würde […]. Wenn die Menschen jedoch viel beten, kann verhindert werden, dass sich dies über die ganze Welt ausbreitet.«

Das Szenario eines plötzlichen Vordringens russischer Armeen nach Europa erinnert drastisch an die Prophezeiungen des bayrischen Sehers Alois Irlmaier. Aber gerade dann, wenn es am notwendigsten ist, wird gemäß den Garabandal-Prophezeiungen zuerst die Warnung (el aviso) kommen. Ob danach auch das »Strafgericht« Realität wird, ist offen, denn dies ist abhängig davon, wie die Menschen auf die Warnung reagieren.

Hier hat jeder Einzelne von uns die Möglichkeit, bereits jetzt den inneren Wandel zu vollziehen, der sonst erst später durch die Warnung ausgelöst wird, falls überhaupt. Durch diesen individuellen Schritt können wir – über die Dynamik des kollektiven Bewusstseins – auch anderen Menschen helfen, diesen Schritt zu vollziehen, auch unabhängig davon, ob das in den Garabandal-Prophezeiungen angekündigte Szenario tatsächlich eintritt. Oder um es biblisch zu formulieren: »Ihr seid das Licht der Welt. … Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit alle, die hereinkommen, es sehen. Nichts ist verborgen, das nicht ans Licht kommen wird … .« (Mt 5,14/ Lk 8,16f.)

Quelle: Kopp-Online

 

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